Identität
Ein Loblied auf die Ungewissheit
Wir leben für das Morgen, doch wir gehen nicht vorwärts
Wir sehen das grüne Licht, aber wir strecken die Hand nicht aus
Wir hören, wie unsere Träume nach uns rufen, und wir reagieren nicht darauf
Wir wissen um die Schönheit der Gegenwart, doch wir leben in der Vergangenheit
Wir spüren unsere Berufung, doch wir hören nicht darauf
Wir beten um einen Erlöser, obwohl die Erlösung bereits in unseren Händen liegt
Wir sehnen uns nach einem Triumph, den wir eigentlich gar nicht wollen
Wir warten auf die Weisheit, doch wir weichen ihrem Blick aus
Wir geraten in Kämpfe, die nicht geführt werden dürfen
Wir laufen vor den Kämpfen davon, in denen wir gebraucht werden
Wir wissen, welchen Preis das Schweigen hat, doch wir schweigen
Wir kennen die Wahrheit, und wir vergraben sie tief
Wir suchen nach Liebe mit verschlossenem Herzen
Wir wollen das, was wir nicht haben können
Wir fragen warum, obwohl wir die Antwort fürchten
Wir leben.
Nicht, weil wir vollkommen sind,
Aber weil wir hoffen.
Dennoch – hoffentlich noch nicht ganz perfekt.
Diese Fragen tauchen immer wieder auf und lassen nicht locker.
Wir fahren mit endlosen Zügen durch Städte voller unausgesprochener Gedanken
unter Menschen, die nie so recht eine Antwort finden.
Mit Vorwürfen? Oder mit Dankbarkeit?
Vielleicht
Das Leben lebt von der Ungewissheit.
Stell dir vor, wie langweilig das Leben wäre, wenn alles reibungslos klappen würde.
Wenn Dinge zerbrechen, ist das die Seele, die atmet.
Die Wunden sind die Stellen, an denen das Licht seinen Weg findet.
Der Film geht weiter
und du kannst eine Szene schreiben.
Vielleicht liegt die Tragik des Lebens nicht in der Unvollkommenheit,
sondern unser Streben nach Perfektion.
Das Unbekannte ist kein Abgrund, vor dem man sich fürchten muss,
sondern eine Leinwand, die darauf wartet, mit Farbe gefüllt zu werden.
Jeder Schmerz, jede Frage, jede flüchtige Freude
ein Satz im ewigen Dialog zwischen dem, was ist, und dem, was sein könnte.
Und in diesem Dialog leben wir:
unsicher, unvollendet,
und doch immer im Werden begriffen.
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