Meinung
Parascha Re’eh
„Du sollst nichts Verabscheuungswürdiges essen“ lautet der Vers in der Parascha dieser Woche, Paraschat Re’eh, der die Gesetze der Kaschrut einleitet. Dieser Vers und die darauf folgenden enthalten die Regeln und Einschränkungen darüber, welche Lebensmittel verzehrt werden dürfen und welche nicht. Es gibt einen Grund, warum uns in unserer Tradition eine Liste koscherer und nicht koscherer Tiere und Lebensmittel gegeben wird – nämlich um unsere Seelen und Körper rein zu halten und zu verhindern, dass „verabscheuungswürdige“ Substanzen in unseren Körper gelangen. Unsere Tradition lehrt uns, uns weise zu verhalten, auf den Konsum beeinflussender Substanzen zu verzichten und, wie hier dargelegt, eine gesunde und reine Ernährung zu befolgen.
So wichtig es auch ist, die uns vorgegebenen Regeln zu befolgen und zu respektieren, müssen wir dennoch hinterfragen und überdenken, was dies für uns tatsächlich bedeutet. Uns wird zwar beigebracht, uns gut zu benehmen und gesund zu essen, doch wird uns auch vermittelt, kritisch zu denken und die Regeln, denen wir folgen sollen, zu hinterfragen. Wir sind der Meinung, dass dieser spezielle Vers große Auswirkungen und Relevanz für die heutige Gesellschaft hat. So wie verbotene Speisen in der jüdischen Kultur als „abscheulich“ angesehen werden, könnte dies auch auf andere Dinge in anderen Kontexten zutreffen.
Vielleicht könnte man sagen, dass – so wie das jüdische Volk um die Existenz und die Unzulässigkeit bestimmter Speisen weiß – andere aufgrund dessen, was ihnen in ihrem sozialen Umfeld vermittelt wird, dasselbe Urteil fälschlicherweise auf ethnische Gruppen anwenden könnten. Menschen wird oft von Grund auf beigebracht, das zu fürchten, was ihnen nicht ähnelt, den „Fremden“ zu fürchten. Diese Angst vor dem „Fremden“ ist es, die weltweit zu Diskriminierung führt und diese schürt – ein Anliegen, für das sich unsere Bewegung ganz besonders einsetzt. Tatsächlich BBYO Führungskräfte und Wegbereiter auf der ganzen Welt, stets kritisch zu denken und sich gegen Ungleichheiten und Diskriminierung jeglicher Art zu wehren.
So wie das Judentum eine Haltung des kritischen Denkens predigt und nicht will, dass wir die Dinge einfach so hinnehmen, wie sie sind, so können auch wir die innere Stärke und den Mut finden, vorherrschende gesellschaftliche Normen und Stereotypen in Frage zu stellen.
Schabbat Schalom,
BBYO , Rachel Yaprak und Alix Gilkarov
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