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Die Parascha dieser Woche, Paraschat Schoftim, behandelt wichtige Themen, die heute ebenso aktuell sind wie in der Antike. Gleich im ersten Vers wird das Konzept einer Polizei und von Richtern eingeführt – die erste Erwähnung einer Polizei in der Geschichte:

„Richter und Beamte sollst dudir in all deinen Toren, die der Herr, dein Gott, dir für deine Stämme gibt, und sie sollendas Volk mit gerechtem Recht.“

„Du sollst dir in allen Städten, die der Herr, dein Gott, dir gibt, Richter und Beamte für deine Stämme einsetzen, und sie sollen das Volk mit gerechtem Urteil richten.“

Gleich zu Beginn dieses Abschnitts macht Gott sehr deutlich, dass in jeder Stadt, in der sich die Stämme niederlassen, eine Polizei obligatorisch ist. Es ist jedoch auch unerlässlich, dass diese ernannten Beamten fair und gerecht handeln. Die Polizei ist ein fester Bestandteil der heutigen Gesellschaft und hat heute dieselbe Rolle wie in der Bibel – nämlich diejenigen zu entfernen, die Unrecht tun, und sicherzustellen, dass alle Fälle ordnungsgemäß und fair untersucht werden. Jüngste Ereignisse mit Polizeibeteiligung in Amerika haben die Welt erschüttert und die Rolle, die die Polizei in der Gesellschaft spielen sollte, in Frage gestellt. Manche argumentieren, dass die Polizei weltweit zu viel Macht habe. An vielen Orten haben wir das Glück, in einer Gesellschaft zu leben, in der die Polizei gerecht und freundlich handelt, doch müssen wir uns auch vor jenen hüten, die ihre Macht missbrauchen und unmoralisch handeln. Das Judentum macht sehr deutlich, dass jene Polizeibeamten, die den hohen an sie gestellten Anforderungen nicht gerecht werden, keine Rolle bei der Durchsetzung des Gesetzes in unserer Gesellschaft spielen sollten.

Wenn wir zum nächsten Vers übergehen, sehen wir den berühmten Satz: „Gerechtigkeit, Gerechtigkeit sollst du verfolgen.“ In der Bibel gibt es viele Beispiele für Wiederholungen. Als Gott beispielsweise Abraham anrief, als dieser im Begriff war, Isaak zu opfern, nannte er seinen Namen zweimal – so wie eine Mutter den Namen ihres Kindes zweimal rufen würde, als Zeichen der Zuneigung und Fürsorge. Aber warum sollte Gott in diesem Zusammenhang das Wort „Gerechtigkeit“ zweimal verwenden? Viele Menschen behaupten, der Zweck heilige die Mittel, und man dürfe sündigen, um ein moralisch korrektes Ergebnis zu erzielen. Das ist jedoch schlichtweg falsch. Während man nach Gerechtigkeit strebt, muss man stets gerecht handeln; sowohl im Ergebnis als auch in der Tat darf es nur Gerechtigkeit geben, denn im Judentum heiligt der Zweck niemals die Mittel. Aus diesem Grund wird das Wort „Gerechtigkeit“ zweimal wiederholt, einmal für die Mittel und einmal für den Zweck.

Auch die Tora nimmt gegenüber Bestechung eine strenge Haltung ein. Selbst wenn das Ergebnis gerecht und rechtschaffen ist: Sind die Mittel unmoralisch und korrupt, so kann der Zweck nicht geheiligt werden. Wie es in der Tora heißt: „Du sollst niemanden bevorzugen und keine Bestechung annehmen, denn Bestechung verblendet die Augen der Weisen und verdreht gerechte Worte.“

Es wird die Geschichte eines Gerichtsverfahrens erzählt, das einst vor einem großen Rabbiner stattfand. In der Mitte der Verhandlung beantragte eine der Parteien eine Unterbrechung. Ein Vertreter einer der Streitparteien verließ den Raum und fand den Mantel des Rabbiners im Flur. Er steckte schnell eine Geldsumme als Bestechungsgeld in die Tasche und kehrte in den Gerichtssaal zurück. Als die Verhandlung fortgesetzt wurde, kam es plötzlich zu einer Wende in den Gedanken des Rabbiners. Er war verwirrt und konnte nicht verstehen, warum er plötzlich seine Meinung geändert hatte. Einige Tage später fand er die Geldsumme in seiner Manteltasche. Er erkannte, dass er bestochen worden war, und obwohl es ihm zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst war, hatte die subtile Kraft der Bestechung ihn tatsächlich sehr tiefgreifend beeinflusst.

Auch wenn diese Geschichte vielleicht nur eine einfache Fabel ist, lehrt sie uns doch, dass Bestechung eine große Macht haben und langfristige Auswirkungen haben kann. Es ist uns untersagt, Bestechungsgelder anzunehmen oder zu erhalten, selbst wenn damit lediglich beabsichtigt ist, die richtige Entscheidung zu bekräftigen.

Das Thema der Parascha dieser Woche lautet, dass es nicht ausreicht, das Gesetz durchzusetzen, ohne dabei nach Rechtschaffenheit zu streben. Wir müssen stets nach Gerechtigkeit streben, jedoch niemals auf Kosten von Rechtschaffenheit und Moral. Dies gilt für die Polizei, für Richter und vor allem für jeden Einzelnen von uns in unserem täglichen Leben.

Schabbat Schalom,

Jacob Goldwater, BBYO

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