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Reinigungsrituale und Gesetz
Diese Woche lesen wir zwei Tora-Abschnitte, Tazria und Metzora. Beide Paraschiot befassen sich mit der biblischen Krankheit Tzara’at, die oft mit Lepra in Verbindung gebracht wird. Die Tora erläutert ausführlich, wie man sich von dieser geistigen Krankheit reinigt. Die Krankheit ist nicht nur eine körperliche Erkrankung, sondern die Art und Weise, wie Gott mit uns kommuniziert und uns wissen lässt, dass wir gesündigt oder in irgendeiner Weise geirrt haben und unsere Verfehlungen wiedergutmachen müssen. Es gibt einen komplexen und langwierigen Prozess, um eine Person zu reinigen, wenn sie an dieser Krankheit erkrankt. Die Symptome der Krankheit beginnen nachzulassen, sobald der Reinigungsprozess beginnt, und die Person kann wieder in ihre Gemeinschaft zurückkehren. Wenn sich der Betroffene jedoch in Gottes Augen durch die Reinigung nicht zum Besseren gewandelt hat, wird er weiterhin mit den Folgen seiner Verfehlungen konfrontiert sein.
Wenn sich jemand mit Tzara’at infiziert, muss er für einen Zeitraum von sieben Tagen von der Gesellschaft ferngehalten werden. Der Talmud lehrt uns, dass eine bestimmte Sünde diese Krankheit hervorruft, nämlich die Sünde des Lashon Hara: das Verbreiten bösartiger Gerüchte oder das Verleumden anderer. Diese Sünde fügt dem Ziel dieser boshaften Worte Leid und Schmerz zu und trägt dazu bei, das Gefüge der Gemeinschaft zu zerstören. Gott ist dafür bekannt, zweite Chancen zu geben, und wenn die Lepra nach sieben Tagen abzuklingen beginnt, kommt ein Kohen, also ein jüdischer Priester, zu der betroffenen Person. Wenn sich der Zustand verbessert und nach weiteren sieben Tagen sogar verschwindet, darf diese Person wieder in die Gesellschaft zurückkehren, nachdem sie Opfer und Reinigungsrituale vollzogen hat. Wenn sich der Zustand der Person nicht bessert, ist das ein Zeichen dafür, dass sie die Konsequenzen ihres Handelns noch nicht begriffen hat und weiterhin ausgegrenzt bleibt. In diesem Fall muss die Person weiterhin von der Gesellschaft ausgeschlossen bleiben, bis die Strafe endet. Auch hier gilt sie als wieder aufnahmeberechtigt, da festgestellt werden kann, dass sie endlich ihre Lektion gelernt hat.
Aus den Gesetzen von Tzara’at erkennen wir, wie wichtig Gemeinschaft ist. Wer schlecht über andere redet, weiß die Menschen in seiner Umgebung wohl nicht zu schätzen. Wie lernt man also, seine Gemeinschaft zu schätzen? Indem man keine haben darf. Die Quarantäne, die der Kranke ohne seine Gemeinschaft verbringen muss, gibt ihm Zeit zum Nachdenken und lässt ihn erkennen, wie wichtig und schön seine Gemeinschaft ist. Oft erkennen wir die Bedeutung von etwas erst, wenn es uns genommen wird. Nach sieben Tagen der Isolation wird dieser Mensch die Tragweite seines Handelns erkennen und hoffentlich beschließen, in Zukunft nur noch Gutes über seine Mitmenschen zu sagen und so eine geistige Strafe zu vermeiden.
Schabbat Schalom,
Rachel Rosin und Natalie Desmond
Vorsitzende des SJR D’var Torah
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