Identität
Parascha Miketz: Die Kraft der Träume
In der Parascha dieser Woche, „Miketz“, dreht sich alles um Träume. Zu Beginn der Geschichte wird Josef aus dem Gefängnis entlassen, nachdem der Pharao geträumt hat, dass sieben fette Kühe von sieben mageren Kühen verschlungen werden und sieben fette Ähren von sieben mageren Ähren verschlungen werden. Josef deutet diesen Traum als sieben Jahre des Reichtums und des Wohlstands, gefolgt von sieben Jahren des Hungers und der Verwüstung. Josef rät dem Pharao, in den Jahren des Überflusses zusätzliche Vorräte anzulegen. Aufgrund seines weisen Ratschlags wird Josef vom Pharao in eine hoch angesehene Position berufen.
Die Träume, die Josef seit seiner Kindheit hatte, sollten seine künftige Stellung voller Einfluss und Autorität symbolisieren. Er hatte schon lange davon geträumt, dass einmal der Moment kommen würde, in dem sich seine Familie vor ihm verneigen würde. Die Verwirklichung dieses Traums findet ebenfalls in dieser Parascha statt. Der Traum geht in Erfüllung, als Josephs Familie auf der Suche nach Nahrung nach Ägypten kommt. Bei ihrer Ankunft erkennen seine Familienmitglieder bald, dass ihr lange verschollener Bruder Joseph der Vizekönig in Ägypten ist, was sie dazu veranlasst, sich vor ihm zu verneigen.
Was ist ein Traum? Ist er sinnloser Unsinn? Oder ist er tatsächlich eine wichtige Vision zukünftiger Ereignisse und ein Vorbote dessen, was kommen wird?
Zwar gibt es sicherlich Träume, die Unsinn sind, doch gibt es viele, die wichtig und bedeutungsvoll sind. Einer der wichtigsten Träume, von denen wir in der Tora lesen, ist der Traum, den Jakob hatte, als er in Bet-El schlief. Wie im vorigen Tora-Abschnitt besprochen, hatte Jakob einen Traum, in dem er eine Leiter sah, die sich von der Erde bis zum Himmel erstreckte, und Engel stiegen auf dieser Leiter auf und ab. Es gibt viele Interpretationen dieses Traums, doch der Midrasch versteht diesen Traum so, dass er die vielen Weltmächte symbolisiert, die die Leiter der Herrschaft und Macht erklimmen werden, wie Babylonien, Griechenland und Rom. Doch jedes dieser Reiche wird auch wieder die Leiter hinabsteigen; letztendlich werden sie bei ihrem Bestreben, die Weltherrschaft zu erlangen, scheitern. An der Spitze dieser Leiter würden sie versuchen, die Welt von der jüdischen Religion, wenn nicht gar vom jüdischen Volk zu säubern, doch sie würden niemals den Erfolg erzielen, den sie sich erhofften. Während ihr Traum eine Welt ohne Judentum war, war Jakobs Traum, dass seine Kinder, das jüdische Volk, unsterblich sein würden.
An Chanukka feiern wir Jakobs Traum. Wir feiern die Tatsache, dass viele Weltmächte, wie zum Beispiel die Griechen, versuchten, unseren Tempel, unseren Glauben und unsere Identität zu zerstören, und doch sind wir immer noch hier, lebendig und wohlauf, und feiern sogar, dass wir an diesem Fest wieder zusammen sein können.
Schabbat Schalom,
Sarah Leiber, GMR
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