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Diese Woche beginnen wir mit der Lektüre des dritten Buches der Tora – Vayikra. Vayikra gilt weithin als eines der schwierigsten Bücher der Tora, da es sich mit der Arbeit der Kohanim, der Priester, und der Leviten befasst. Diese Arbeit drehte sich hauptsächlich um Korbanot, also Opfergaben. 

Was ist ein Opfer? Die Vorstellung, ein Tier oder ein anderes Lebewesen zu opfern, erscheint uns wie eine heidnische Tradition. Im Judentum liegt die Bedeutung des Opfers jedoch darin, dass sich der Mensch in die Lage des Opfers versetzen muss. Traditionell bringt man ein Opfer dar, nachdem man gesündigt oder ein Gebot übertreten hat. Das Opfer hilft einem zu erkennen, dass zwar ein Tier dargebracht wird, dieses jedoch an seiner Stelle steht.  Es ermöglicht einem, seine Unzulänglichkeiten und die möglichen Konsequenzen auf sinnvolle und reflektierende Weise zu erkennen. 

Das häufigste Opfer war das sogenannte „Korban Chatat“, das Sündopfer. Dieses Opfer wurde dargebracht, wenn jemand unabsichtlich gesündigt hatte und sich seiner Übertretung überhaupt nicht bewusst war. Wir erleben das jeden Tag in unserem eigenen Leben: Oft sagen oder tun wir etwas, das unsere Mitmenschen verletzt, aber oft merken wir gar nicht, was wir getan haben. Erst später wird uns bewusst, welchen Schaden wir angerichtet und welchen Schmerz wir verursacht haben – und oft ist es sehr schwer, das wieder gutzumachen. Die Lehre des Sündopfers besteht darin, uns dazu zu bringen, die Folgen unseres Handelns genauer zu hinterfragen und uns anzustrengen, damit wir niemals einen anderen verletzen, auch nicht aus Versehen. 

Interessant ist auch, dass in der Tora oft „wenn sie sündigen“ statt „falls sie sündigen“ steht. Wir sollten nicht glauben, dass wir niemals unabsichtlich sündigen würden und dass wir über solch ein Verhalten erhaben wären. Das ist schlichtweg falsch; selbst die Besten unter uns werden Fehler machen. Wir werden Fehler machen, aber unsere Herausforderung besteht darin, wie wir darauf reagieren. Werden wir Verantwortung übernehmen und über unsere Unzulänglichkeiten nachdenken, wie man es tun würde, wenn man ein Opfer darbringt, oder werden wir – Gott bewahre – unsere Fehler leugnen und so tun, als existierten sie nicht?

Wir bringen zwar keine Opfer mehr dar, doch das Konzept des Opfers existiert nach wie vor. Wir müssen darüber nachdenken, was wir falsch gemacht haben. Wir müssen uns fragen, warum und wie wir Fehler begangen haben. Wir müssen Buße tun und verstehen, wie wir diese Situation korrigieren können. Und wenn wir diesen Fehler wiederholen, dann haben wir die Lektion noch nicht gelernt.

Schabbat Schalom,

Ivan (Yisrael) Kravchenko, BBYO

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