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Parascha Emor: Respekt vor der Natur und den Tieren
In der Parascha Emor gibt es unter den Erläuterungen zu den Feiertagen und den Vorschriften für die Hohepriester viel zu entdecken. Einer der bekanntesten Abschnitte dieser Parascha ist jedoch der allseits bekannte Satz: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Während die Strafen für Verbrechen, die Menschen an Menschen begehen, dargelegt werden, werden auch Verbrechen gegen Tiere erwähnt, die bestraft werden müssen und eine Strafe nach sich ziehen. Wie kann dieselbe Tora, die Tieropfer fordert, von Strafe für das Unrecht an einem Tier sprechen? Die Antwort ist einfach. Tiere gehören Gott, nicht uns. Genau wie wir sind sie Lebewesen in dieser Welt, und sie sind auch Gottes Geschöpfe. Was uns geboten wird, ihnen anzutun oder ihnen nicht anzutun, ist einfach Ausdruck der Herrschaft Hashems über Tiere und Natur, die beide rechtmäßig ihm gehören.
Wer mit den Kaschrut-Gesetzen vertraut ist, weiß, dass es beim Schwein – anders als im Islam – nicht in erster Linie um dessen „Unreinheit“ geht (obwohl dies ein Faktor ist), sondern vielmehr darum, dass Gott uns nicht die Erlaubnis erteilt hat, Schweinefleisch zu essen. Dasselbe gilt für Garnelen, Kaninchen, Kamele, Haie und alle anderen treif-Tiere um uns herum. Warum ist das so? Gott hat uns Tiere als Geschenk gegeben, schließlich befinden wir uns auf seiner Erde. Unser Planet gehört nicht uns, sondern der Natur, der unglaublichen Verkörperung von Gottes Großartigkeit auf Erden. Gott hat uns die Erlaubnis gegeben, bestimmte Tiere zu essen, wie Hühner und Rinder und sogar Giraffen, sowie die Erlaubnis, die Früchte des Erdbodens zu ernten. All dies ist jedoch immer noch ein Geschenk, da die Erde und alles, was sich in ihr befindet, ausschließlich Hashem gehört. Unabhängig davon, wie viel Kontrolle wir zu haben glauben über unseren Planeten und wie sehr wir die Natur beherrschen, ist dies immer noch Hashems Heiligtum, und wir leben lediglich darin. Die Parascha Emor lehrt uns, dass wir zwar moralische Gesetze haben, die für den Umgang mit Menschen und für den Kiddusch Haschem, die Heiligung des Namens Gottes, gelten, wir aber Gottes Gebote zum Schutz der Flora und Fauna und zur Erhaltung der Gesundheit unseres Planeten und Ökosystems nicht ignorieren dürfen.
In der heutigen Welt sind wir zu sehr vom modernen Leben eingenommen: Von Mobiltelefonen und Autos bis hin zu Gebäuden und Büchern – von Menschen geschaffene Gegenstände dominieren alles in unserer Welt. Aus diesem Grund übersehen wir oft die Bedeutung der Gebote Gottes, die sich auf die Erde beziehen, was dazu führt, dass Gebote über zwischenmenschliche Beziehungen und den Glauben an erster Stelle stehen. Die Heiligung des Namens Gottes geht jedoch auch mit der Heiligung seiner Wohnstätte einher, nämlich unserer Erde. Behalten Sie dies im Hinterkopf, während Sie sich durch diese und jede andere Parascha arbeiten. Gesetze wie das in Emor, das besagt, dass man eine Mutterkuh und ihr Kalb nicht am selben Tag töten darf, mögen so aussehen, als ginge es um Gehorsam oder bloße Verfahrensregeln, doch sie haben nichts mit menschlichem Verhalten und menschlicher Praxis zu tun. Das oben genannte Gesetz wird zum Beispiel weithin als Aufruf zum Respekt vor dem Kreislauf der Natur interpretiert. Der beste Weg, Hashem zu ehren, besteht nicht immer darin, traditionelle Wege zu beschreiten, da wir schließlich 613 Mitzvot zur Auswahl haben. Tikkun Olam wird zudem oft als Beitrag dazu angepriesen, die Welt durch gütige Taten und Handlungen zum Wohle der Menschen zu einem besseren Ort zu machen, doch dürfen wir dabei den naturbezogenen Aspekt nicht außer Acht lassen.
Luiz Gandelman
BBYO Miami
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