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Parascha Beschalach: Die Reise, die uns prägt
Die Parascha Beshalach beginnt in dem Moment, in dem die Israeliten endlich Ägypten verlassen. Nach Generationen der Sklaverei und Monaten, in denen wir durch die Plagen die Macht Gottes erlebt haben, treten wir endlich in die Freiheit ein. Doch die Tora fügt eine unerwartete Wendung hinzu: Gott führt die Israeliten nicht auf dem direkten Weg zu ihrem Ziel. Es gibt zwar einen kürzeren Weg, doch Gott wählt einen längeren. Das Volk ist noch nicht bereit für die bevorstehenden Herausforderungen, und so beginnt ihre Reise mit einem Umweg.
Als die Israeliten das Rote Meer erreichen, finden sie sich in der Falle wieder: vor ihnen das Wasser, hinter ihnen die ägyptische Armee, die auf sie zustürmt. Ihre neu gewonnene Freiheit scheint in Gefahr zu sein. Sie schreien auf. Sie stellen alles in Frage. Sie befürchten, einen schrecklichen Fehler begangen zu haben.
Und in diesem Moment des Chaos gibt Gott eine einzige Anweisung: „Sag den Israeliten, sie sollen weiterziehen.“
Wohin soll man gehen? Es gibt keinen Weg. Es gibt nur Wasser.
Dem Midrasch zufolge teilen sich die Wasser erst, als Nachschon ben Aminadav ins Meer tritt und trotz seiner Unsicherheit immer tiefer hineingeht. Das Wunder zeigt sich nicht im Voraus; es offenbart sich durch Bewegung. Das Volk gelangt sicher auf die andere Seite, wo das Lied vom Meer erklingt. Es ist der erste große Moment des kollektiven jüdischen Lobpreises, ein Moment, in dem das Volk auf das gerade Geschehene zurückblickt und versteht, vielleicht zum ersten Mal, dass es in eine neue Geschichte hineingetragen wird.
Doch die Reise endet hier nicht. Fast augenblicklich kehren die Zweifel zurück. Die Menschen sehen sich mit bitterem Wasser konfrontiert, dann mit Wassermangel, dann mit Hunger, dann mit Verwirrung. Jede Herausforderung erfordert eine Reaktion, die ihnen etwas Neues lehrt; und mit jedem Schritt prägt die Reise sie. Langsam, durch ihre Erfahrungen, beginnen sie zu begreifen, was es bedeutet, im Glauben statt in Angst zu leben, verantwortungsbewusst statt reaktiv. Keine dieser Lektionen wird in einem einzigen Augenblick vermittelt; sie ergeben sich im Laufe der Reise.
Und genau das ist die eigentliche Botschaft von Beshalach:
Der Weg ist nicht das, was das Ziel verhindert.
Der Weg ist es, der uns darauf vorbereitet.
Oft stellen wir uns vor, das Gelobte Land sei das Ziel und alles dazwischen lediglich ein Hindernis, das die Ankunft verzögert. Doch die Parascha Beshalach lädt uns ein, dies anders zu betrachten. Das Volk kann die Tora am Sinai nicht empfangen, keine auf Gerechtigkeit gegründete Gesellschaft aufbauen und nicht in sein Land einziehen, solange es nicht durch den Weg, der es dorthin führt, geformt worden ist.
Das Meer lehrt Mut.
Die Wüste lehrt Ausdauer.
Die Momente der Angst lehren uns, zu vertrauen.
Die Momente der Ungewissheit lehren uns, Vertrauen zu haben.
Und gerade in den Momenten, in denen die Menschen aufeinander angewiesen sind, lernen sie, was Gemeinschaft bedeutet.
Da wir nun weniger als einen Monat vor dem Internationalen Kongress stehen, trifft diese Botschaft besonders stark. Denn wir alle, ganz gleich, woher wir kommen und welchen Weg wir zurückgelegt haben, gehen unseren eigenen Weg hin zu einem gemeinsamen Moment.
Die IC ist nicht nur eine Veranstaltung, an der wir teilnehmen. Sie ist der Treffpunkt von fünftausend individuellen Lebenswegen.
So wie die Israeliten durch jeden Schritt vor dem Meer verwandelt wurden, werden auch wir durch alles verwandelt, was uns zu diesem Moment geführt hat. Und wenn wir schließlich zu Tausenden zusammenkommen, bringen wir all das mit.
Jeder Schritt wird Teil eines größeren Ganzen.
Jede Unterrichtsstunde wird Teil von etwas Bleibendem.
Jede Reise wird Teil einer gemeinsamen Zukunft.
Bshalach lehrt uns, dass das Ziel seine Bedeutung erst durch den Weg erhält, der uns darauf vorbereitet. Und ebenso ist IC nicht nur deshalb bedeutungsvoll, weil wir ankommen, sondern wegen all dessen, was uns dorthin geführt hat.
Mögen wir in den kommenden Wochen diesen Moment so erleben wie einst die Israeliten: geprägt von unseren Lebenswegen, gestärkt durch unsere Herausforderungen und bereit für das, was vor uns liegt – als ein Volk, eine Gemeinschaft und eine Bewegung.
?Schabbat Schalom,
Ike Diamond, Region Lonestar
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